| Das Äußere der Basilika
Die
Basilika des heiligen Antonius - wie wir sie heute sehen
- ist in drei verschiedenen Bauabschnitten von insgesamt
70 Jahren errichtet worden: 1238-1310.
Zu Antonius' Zeiten stand dort eine
kleine Kapelle, die der heiligen Maria Mater Domini
(Mutter Gottes) geweiht war und die dann in die Basilika
eingebaut wurde: es ist die Kapelle der Schwarzen
Madonna (Madonna Mora).
Neben ihr wurde 1229 das Kloster der
Brüder erbaut, das wahrscheinlich Antonius selber
gegründet hat. Antonius starb im Jahr 1231 in Arcella,
im Norden der Stadt Padua, in einem Klarissenkloster;
seinem Wunsch entsprechend wurde er aber in der Kapelle
Santa Maria Mater Domini beigesetzt.
Der Grundstein des ersten Teiles der Basilika wurde
1238 gelegt; erbaut wurde eine kleine einschiffige Franziskanerkirche
mit kurzer Apsis; erst später kamen die beiden
Seitenschiffe, die vielen Kapellen, Kuppeln und Türme
hinzu, die wir heute bewundern können.
Das Innere der Basilika
Die
Basilika vermittelt gleich am Eingang einen gotischen
Eindruck; trotzdem fallen die zwei unterschiedlichen
Stilrichtungen auf: die der zwei Seitenschiffe und die
der Apsis. Nicht nur, weil die Apsis zur Gänze
mit Freskomalereien ausgestattet ist, sondern vor allem
wegen der unterschiedlichen Bauarten.
In der halbdunklen Kirche gehen die mächtigen,
romanischen Strukturen harmonisch in die gotischen Pfeiler
über.
Typisch für das Heiligtum sind
die vielen, teils einfachen teils prunkvollen Grabmäler,
die zu Ehren einiger Adeliger, Gelehrter und Kirchenfürsten
vor allem zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert errichtet
worden sind. Heute werden solche Monumente in unseren
Kirchen weniger geschätzt.
Trotzdem sollte man den Kunstwert dieser
Grabmäler und das Zeugnis sozialer und kultureller
Tradition, das sie uns hinterlassen haben, nicht übersehen.
Aber die wenigsten Besucher interessieren sich für
diese Sarkophage. Auf der Fassadeninnenwand, über
dem Haupteingang, befindet sich ein großes Fresko
von Pietro Annigoni (1985): Antonius predigt auf dem
Nussbaum. Dies hat sich in Camposampiero bei Padua ereignet,
wo Antonius kurz vor seinem Tod eine Ruhepause (von
Mitte Mai bis zum 13. Juni) einlegt. Den einfachen oder
kranken, gleichgültigen oder neugierigen Menschen
(man beobachte die drei kleinen Kinder) und seinen Ordensbrüdern
(zu Antonius' Füßen ist der selige Luca Belludi
zu erkennen) deutet Antonius das Evangelium; auf dem
Fresko zeigt er auf die Heilige Schrift - die Quelle
des Lichtes und des Lebens.
Die
Pfeiler-Madonna

Auf dem ersten Pfeiler des linken Seitenschiffes
lädt eine liebliche Madonna von Stefano da Ferrara
(um 1350) zum Gebet ein.
Man lege weniger Wert auf die Engel
und Apostel, die erst später hinzugefügt worden
sind; ebenso die Diademen der Madonna und des Kindes,
die aus dem 17. Jahrhundert stammen.
Der erste Altar im linken Seitenschiff
ist dem heiligen Maximilian Kolbe, dem Märtyrer
von Auschwitz, gewidmet. Das Altarbild von Pietro Annigoni
(1981) zeigt das Lebensopfer des polnischen Franziskaner-Minoriten.
Die
Sakramentskapelle

Die Sakramentskapelle wurde 1457 im
gotischen Stil erbaut, um die Grabmäler des
Gattamelata und seiner Familie aufzunehmen. Aus
den Wänden ragen die Sarkophage des Kondottiere
Erasmo da Narni (Gattamelata genannt, +1443; links)
und seines Sohnes Giannantonio (+ 1456; rechts)
hervor. Die Skulpturen stammen von Gregorio d'Allegretto
(1458). 1651 wurde sie zur Sakramentskapelle umgestaltet.
Die jetzige reiche Dekoration geht auf Ludovico Pogliaghi
(1927-36) zurück, der das Geheimnis der Eucharistie
verherrlichen wollte. Hierfür verwendete er reichlich
Marmor, Bronze und Kunstwerke: die Pracht ist Ausdruck
des Glaubens an die eucharistische Gegenwart Christi.
Die
Kapelle des heiligen Jakobus

Genau gegenüber der Grabkapelle
des Heiligen liegt die Jakobuskapelle. Sie gehört
auf Grund ihrer Architektur und ihrer herrlichen Fresken
zu den Hauptwerken des italienischen Trecento (14. Jahrhundert).
Im Jahr 1372 wurde sie im Auftrag von
Bonifacio Lupi, Graf von Soragna (Parma) als Familienkapelle
errichtet; dieser hatte bei der Familie Carraresi in
Padua wichtige diplomatische und militärische Aufträge.
Die eleganten, gotischen Entwürfen der Kapelle
entstammen dem damals größten Architekten
und Bildhauer Venedigs: Andriolo de Santi. Die Kapelle
weist auch fünf Kleeblattbögen auf.
Die
Kreuzigung
Ins
Auge fällt die großartige, dreiteilig angelegte
Kreuzigungsgruppe an der Rückwand, dessen Restaurierung
im Jahr 2000 vollendet wurde. Es ist dies ein Hauptwerk
des Altichiero da Zevio (Verona), der bekannteste,
italienische Maler des 14. Jahrhunderts.
.
Die Geschichte des heiligen Jakobus:
In den acht oberen Lünetten und an den Seitenwänden
sind Szenen aus dem Leben des hl. Jakobus, dem Patron
Spaniens, dargestellt, die der Legenda Sanctorum
oder aurea von Jacopo da Varazze (1255?) entnommen
sind. Es war dies eine damals verbreitete Erzählung,
die die Volksfrömmigkeit pflegte, die den Traditionen
und Legenden breiten Raum ließ und den Künstlern
Stoff für ihre Werke bereithielt. Es geht um den
Apostel Jakobus, den Bruder des Johannes; dessen Heiligtum
liegt in Compostela (Galizien, Spanien) und war vor
allem vom X. bis zum XV. Jahrhundert Ziel aller Pilgerschaften.
Die Fresken stammen von Altichiero da Zevio und seinem
Schüler Jacopo Avanzi aus Bologna, dessen Pinselstrich
nicht immer unterscheidbar ist.
Die Führung bringt uns nun zum
Kapellenkranz: dabei gehen wir rechts am Ausgang zum
Kreuzgang der Magnolie und am Eingang zur Sakristei
vorbei; links davon befindet sich hingegen der Hochaltar.
Die
Segnungskapelle
n dieser Kapelle finden sich die Pilger ein, um auch
ihre Gegenstände segnen zu lassen, die sie als
Erinnerung an den Besuch und den Gnadenerweis in der
Basilika mit nach Hause nehmen. Aber die Aufmerksamkeit
fällt wiederum auf die Fresken, diesmal von Pietro
Annigoni, die ein wesentliches Thema entfalten:
den Sündenfall.
Die Fischpredigt links, 1981
vollendet: die Begebenheit hat sich - der ältesten
Quelle Actus beati Francisci et sociorum eius"
(1327-40) zufolge - in Rimini im Jahr 1223 an
der Mündung des Flusses Marecchia ereignet.
Häretiker und Katharer verhinderten den heiligen
Antonius am Predigen, so dass er sich vom Dorf entfernte
und mit den Fischen zu sprechen begann. Diese kamen
sehr zahlreich und hörten ihm zu. Der Künstler
stellt sich den Heiligen auf einem großen Felsen
stehend vor (wie Christus); Antonius vermittelt einen
Glauben, der von den zahlreichen Fischen bildlich dargestellt
ist. Neben Antonius steht ein zweifelnder Zeitgenosse,
den das rege Treiben der Fische Angst macht. Hinter
dem Heiligen scheint das Chaos zu herrschen: Menschen
und Dinge, alles ist in Aufruhr und scheint zu zerfallen.
So endet die Welt, die Gott verleugnet.
Antonius tritt gegen Ezzelino da Romano auf (1982).
Der Cronica des paduanischen Notars Rolandino (1262)
zufolge hat sich die Begebenheit, die auf dem Fresko
festgehalten ist, kurz vor seinem Tod, also im Mai
1231, zugetragen. Die Freunde des Rizzardo aus San
Bonifacio bei Verona hatten Antonius gebeten, bei
Ezzelino III. da Romano vorzusprechen und um die
Freilassung ihres Bekannten und anderer Mitglieder seiner
Partei zu bitten. Leider kann Antonius nichts ausrichten.
Der Künstler hält diesen entscheidenden Moment
fest: Die Verneinung, die keine Hoffnung aufkommen lässt.
Die Haltung der Hände drückt
die Hartnäckigkeit des Tyrannen aus. Hinter ihm
ist sein Ich dargestellt: der Teufel, der Verführer.
Aber Ezzelino fühlt sich trotzdem nicht wohl: er
beugt sich nach vorne zu Antonius und verzieht den Mund,
als ob er Antonius' Mut und Überzeugung analysieren
möchte.
Antonius hält die Heilige Schrift
in seinen Händen, doch diese ist für den Tyrannen
bereits ein verschlossenes Buch. Der Heilige verspürt
schließlich Mitleid mit dem in sich gekehrten
Ezzelino. Im Hintergrund sind die Schatten der Gefangenen
und ihrer Gefängnishüter zu erkennen.
Die Kreuzigung (1983). - Die
Proportionen, das Abheben der scheinbaren Wand, die
das Kruzifix bildet, lösen eine starke Reaktion
aus. Unser Blick folgt entsetzt den gebeugten und mit
Blut übergossenen Beinen Christi. Die Brust neigt
nach vorne, der Bauch ist angeschwollen - die Wahrheitstreue
ist nicht zu übersehen. Die Arme sind überstreckt,
der ganze Körper scheint herunterzufallen. Die
Seelenqualen sprechen aus Christi Antlitz. Die feuchte
und bleierne Umwelt durchfährt ein Blitz: das einzige
Lebenszeichen der Natur, um die Aufmerksamkeit nicht
zu verlieren. Im oberen Teil leuchtet ein scharlachrotes
Licht, das Licht der Liebe und des Blutes, das den Sinn
enthüllt und das Leid Christi verstärkt, der
zu murmeln scheint: "Mein Gott, mein Gott, warum
hast du mich verlassen?"
Nun begeben wir uns wieder in den Kapellenkranz
und beruhigen unser Herz mit einem Blick nach oben in
die hohen Bögen der Apsis der Basilika. Rechts
kommen wir an der Amerikanischen Kapelle vorbei, die
der heiligen Rosa von Lima (1586-1617) - der Patronin
Amerikas, der Philippinen und Indiens - geweiht ist;
darauf folgt die Deutsche Kapelle oder Kapelle des
heiligen Bonifaz (673-755), der Deutschland evangelisiert
hat und schließlich die Kapelle des heiligen Stefanus,
des ersten Märtyrers der Christenheit, die der
italienische Maler Ludovico Seitz (1907) mit Fresken
ausgemalt hat.
So erreichen wir die Mitte des Kapellenkranzes:
die Schatzkapelle.
Die
Schatzkapelle
Der Bau dieser barocken Kapelle
wurde 1691 von Parodi, einem Schüler
Berninis begonnen; da sie sich in dieser versteckten
Position befindet, stört sie die Harmonik der Gotik
in keiner Weise.
Die Architektur verwandelt sich vor
unseren Augen in einen Triumph, der mit der Balustrade
und den sechs Marmorstatuen des Parodi beginnt.
Hinter der Balustrade können die
Besucher den Schatz" bewundern, der der Kapelle
ihren Namen gibt und der in drei Reliquiaren aufbewahrt
ist.
Feierliche Engelscharen (Stuckarbeiten
von Pietro Roncaioli da Lugano) begleiten den heiligen
Antonius zur Glorie (Marmorausführung des Parodi).
Erinnerungen an den Heiligen
(vor der Balustrade). Bevor wir uns zu den Reliquiaren
begeben, fällt unsere Aufmerksamkeit auf einige
Gegenstände des heiligen Antonius, die 1981
hier abgelegt worden sind.
Eine Rekognoszierung (Überprüfung
der Echtheit) der Gebeine des hl. Antonius fand 1981
statt, 750 Jahre nach seinem Tod. Nach Untersuchung
des Erhaltungszustandes wurden die Gebeine den Gläubigen
zur Verehrung ausgestellt. Die Rekognoszierung (die
letzte war 1263) brachte ans Licht, dass sich die sterblichen
Überreste des Heiligen in einem hervorragenden
Zustand befinden. Gesammelt waren sie in einem kleinen
Holzbehälter, der in dem älteren Holzsarg
lag, in welchem der Heilige bestattet worden war. Ärzte
und Historiker haben das Aussehen des Heiligen rekonstruiert:
etwa 1,70 Meter groß, von nicht sehr kräftiger
Statur, edles Profil, eher länglich-schmales Gesicht,
tiefliegende Augen, längliche Hände und schlanke
Finger; etwa vierzig Jahre alt. Aufgefunden wurde auch:
-
Das Skelett des hl. Antonius
(nun in einem Kristallbehälter zusammengesetzt
und in einem Eichenschrein verwahrt), das am 1.
März 1981 wieder an seinen alten Platz zurückgebracht
wurde;
-
Andere Reste, die zum Großteil
aus Staubpartikeln bestehen;
-
Das Ordenskleid aus bräunlicher
Wolle;
Außerhalb des großen Sarges fand man:
-
Eine Gedenktafel, auf der
das Datum seines Todes, seiner Heiligsprechung und
der Umbettung der sterblichen Überreste von
der Kapelle Santa Maria Mater Domini (8. April 1263)
eingemeißelt sind.
-
Zahlreiche Ringe (10 weiße,
50 schwarze) einer Kette oder eines Rosenkranzes.
Um
dies besser zu verstehen, muss man auf das Jahr 1263
zurückgehen. Nach der zweiten Bauphase der Basilika
fand in Padua das Generalkapitel der Franziskaner statt;
der damalige Generalminister, der heilige Bonaventura,
ordnete dabei an, die sterblichen Überreste des
heiligen Antonius von der Kapelle der Schwarzen Madonna
in die Mitte der Basilika (unterhalb der großen
Kuppel vor den Hochaltar) umzubetten.
Bei dieser Gelegenheit wurde der Sarg zum ersten Mal
geöffnet, vor allem, um Reliquien des Heiligen
zu erhalten. Die Überraschung war groß, als
man sah, dass die Zunge noch unversehrt war. Der heilige
Bonaventura sprach dann - das Herz voller Bewunderung
- das folgende Gebet:
Gesegnete Zunge, die du immerfort den Herrn gepriesen
und viele Menschen angeleitet hast, ihn zu preisen.
Jetzt erst wird offenbar, wie viel Gnade du gefunden
hast bei Gott.
Zu jener Zeit beschloss man, die Zunge,
das Kinn, den linken Unterarm und manch kleinere Reliquie
aufzubewahren. Den Rest wickelte man in rote Seidentücher
und legte sie in den kleinen oben genannten Holzsarg.
Die letzte Rekognoszierung
von 1981 hat historische, technische und kunsthistorische,
anthropologische und medizinische Studien über
die Reste zugelassen. Die Gebeine des heiligen Antonius
wurden daraufhin auf ein Kissen gebettet und in einen
Kristallsarg gelegt. Dazu kamen zwei kleiner Glaskästchen
mit den anderen Überresten. Der Kristallsarg wurde
in einen Eichenholzsarg gegeben und hinter den Grabstein
zurückgelegt.
In der Schatzkapelle sind hingegen
ausgestellt:
Das Ordenskleid, die zwei Holzsärge, die Schnur
und die zwei Siegel, die drei roten Seidentücher,
die zwei großen goldenen Stoffreste, die Gedenktafel,
die Geldstücke und die Ringe.
Der
"Schatz" ist in drei Nischen aufbewahrt. Er
besteht aus Reliquien des heiligen Antonius und
anderer Heiliger, aber auch aus zahlreichen Dankesgaben
oder einfachen Geschenken, die berühmte Pilger
dem Heiligen Paduas dargebracht haben. Die Aufmerksamkeit
sollten aber die Reliquien des heiligen Antonius auf
sich ziehen, die sich in der Mitte befinden: vor allem
die Zunge des Heiligen. Man erwarte sich keine feuerrote
Zunge. Trotzdem ist es unerklärlich, dass sich
ein solches anatomisches Körperteil erhalten hat.
Noch 770 Jahre nach dem Tod des heiligen Antonius stellt
diese Zunge ein ewiges Wunder dar: einzigartig in der
Geschichte und reich an religiöser Bedeutung
- ist es doch das Zeichen des Evangelisierungswerkes
des heiligen Antonius.
Das Reliquiar ist ein graziöses
und delikates Werk der Harmonie aus vergoldetem Silber
von Giuliano da Firenze (1434-36).
Die Kinnreliquie (oben). Dabei handelt es sich
um das Unterkiefer; es ist in einem Reliquiar aufbewahrt,
das eine Art Büste bildet und aus einer Glaskugel
besteht. Der Kardinal Guy de Boulogne-sur-Mer ließ
es 1349 zum Dank für ein Wunder anfertigen. Er
selbst brachte es ein Jahr später nach Padua und
ließ die Kinnreliquie darin aufbewahren.
Die Knorpel der Stimmbänder (unten). Auch diese
Teile des menschlichen Leibes des heiligen Antonius
haben die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler bei der
letzten Rekognoszierung 1981 auf sich gezogen, obwohl
ihr guter Zustand keine Besonderheit darstellt. Trotzdem
wollte man sie den Verehrern des Heiligen nicht vorenthalten.
Das Reliquiar stammt aus Treviso; der Künstler
ist Carlo Balljana.
Nun verlassen wir die Schatzkapelle und kommen rechts
zur Polnischen Kapelle oder Kapelle des heiligen
Stanislaus (+ 1079); diesen Bischof und Märtyrer
verehrt Polen als seinen Patron. Gleich anschließend
befinden sich die Österreich-ungarische Kapelle
oder Kapelle des heiligen Leopold (1075-1136), der aus
Ungarn stammte und Patron Österreichs ist, die
Franziskus-Kapelle und die Josefs-Kapelle.
Die
Kapelle der Schwarzen Madonna (Madonna Mora)
Die
nächste Kapelle zu unserer Rechten ist die Kapelle
der Schwarzen Madonna". Nun befinden
wir uns in der ursprünglichen kleinen Kirche der
Santa Maria Mater Domini aus dem 12.-13. Jahrhundert.
Hier hat Antonius mit Sicherheit gebetet und hier wollte
er auch sterben (doch hat ihn der Tod noch vor Erreichen
der Kirche ereilt). In ihr wurde er dann aber beigesetzt
und ruhte hier bis zum Jahr 1263.
Die Statue der Schwarzen Madonna über dem
Altar ist 1396 von Rainaldino di Puy-l' Evéque
realisiert worden. Die Paduaner haben sie Madonna
Mora" genannt, weil sie ein farbiges Gesicht
hat, der liebenswerte Ausdruck Mora" verrät
aber auch die Zuneigung zu ihr.
Gleich anschließend
betreten wir die Luca-Belludi-Kapelle, die auch
Kapelle der Heiligen Philipp und Jakobus des Jüngeren
genannt wird. Sie wurde in der zweiten Hälfte des
14. Jahrhunderts errichtet und nach dem seligen Luca
Belludi benannt, einem Gefährten des heiligen
Antonius, der hier unter dem Altar begraben liegt. Die
Studenten Paduas pflegen es, vor ihren Prüfungen
diese Kapelle aufzusuchen und ihren Patron um seine
Fürsprache zu bitten.
Die Kapelle ist jedoch den Heiligen
Philipp und Jakobus geweiht. Der Florentiner Giusto
de' Menabuoi hat sie um das Jahr 1382 mit den Fresken
versehen, die heute nach der Restaurierung wieder in
altem Glanz erscheinen.
Der Sarkophag an der Wand ist heute leer. Der
Altar stammt aus dem 13. Jahrhundert und vielleicht
hat der heilige Antonius von 1263 bis 1310 in ihm vor
dem Presbyterium in der Basilika gelegen.
Die Grabkapelle
des heiligen Antonius
Das
Grab des heiligen Antonius wird auch "Arca"
gennant. In dieser Kapelle befindet sich seit 1350 unter
dem Altar auf Menschenhöhe das Grab des Heiligen.
Sie stammt aus der Renaissance (um 1500 begonnen, Ende
des 16. Jahrhunderts fertiggestellt), ist aber gotischen
Stils. Die Fresken sind von Stefano da Ferrara, der
auch die Madonna am Eingang der Basilika gemalt hat.
Entworfen hat sie wohl Tullio Lombardo.
Der Altar ist etwas zu prunkvoll, doch
der Künstler, Tiziano Aspetti, war an die Höhe
des bereits gebauten Grabes gebunden. Die Statuen
des Altares (der heilige Antonius zwischen dem heiligen
Bonaventura und Ludwig von Angió) stammen
vom selben Künstler, während die Kerzen tragenden
Engel und die kleinen Kerzenständer von anderen
Bronzekünstlern sind. Die größeren Engel
aus Marmor sind hingegen von Filippo Parodi aus dem
17. Jahrhundert.
An den Wänden finden sich neun Marmorreliefs
mit Szenen aus dem Leben und der Wunder des hl. Antonius.
Von links beginnend:
1) Einkleidung des hl.
Antonius" (Antonio Minello, 1517);
2) Der Eifersüchtige
erdolcht seine Ehefrau" (Giovanni Rubino und Silvio
Cosini, 1529-36);
3) Der hl. Antonius ruft einen
jungen Mann ins Leben zurück" (Danese Cattaneo
und Girolamo. Campagna, 1573);
4) Wiederbelebung eines ertrunkenen
Mädchens" (Iacopo Sansovino, 1563);
5) Der hl. Antonius holt
ein ertrunkenes Kind ins Leben zurück" (Antonio
Minello und Iacopo Sansovino, 1536);
6) Das Herz eines Wucherers"
(Tullio Lombardo, 1525);
7) Der abgehackte und wieder
angefügte Fuß" (Tullio Lombardo, 1504);
8) Das auf den Boden gefallene
und heil gebliebene Glas" (Giovanni Maria Mosca
und Paolo Stella, 1520-29);
9) Ein Neugeborenes bezeugt
die Unschuld seiner Mutter" (Antonio Lombardo,
Bruder des Tullio 1505).
Der
Chor und das Presbyterium
Um
den Altarraum besuchen zu dürfen, wende man sich
an einen Aufseher.
Einen Moment innehalten sollte man,
um die malerische Ausgestaltung der Wände und der
Bogengänge des Chores und der Apsis zu betrachten:
Achille Casanova aus Bologna hat sie von 1903
bis 1939 in mühevoller Arbeit geschaffen.
Hinter dem Altar erstreckt sich der große Chor
(18. Jh.). Hier kommen mehrmals am Tage die Ordensleute
des Konventes zusammen, um das Göttliche Offizium
zu verrichten. In ihre Gebete schließen sie stets
jene Menschen ein, die sich vertrauensvoll an sie wenden.
Bis 1649 befand sich der Chor vor dem Altar, wie es
heute noch in den anglikanischen Kirchen zu beobachten
ist.
Nach dem Konzil von Trient wanderte der Chor
langsam hinter den Altar, damit die Gläubigen
der Liturgie besser folgen konnten. Der heutige
Chor geht auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück;
er wurde nach Plänen von G. Massari gestaltet,
nachdem ein furchtbarer Brand 1749 den Chor verwüstet
hatte, den Lorenzo und Cristoforo Canozzi von 1462 bis
1469 mit kostbaren Bildhauer- und Intarsienarbeiten
versehen hatte.
Unter dem gewaltigen Schrank, der die Chorbücher
enthält, befindet sich jetzt das Grab des Florentiners
Lorenzo Alberti (gestorben 1421); er ist der Vater
des berühmten Architekten Leon Battista.
Auf der linken Seite erhebt sich der
Bronzekandelaber, ein Werk von Andrea Briosco,
genannt Riccio (1515): wegen seiner Ausmaße
und seiner künstlerischen Meisterschaft wird er
als der schönste Kandelaber der Welt angesehen.
In den Seitenwänden des Chores sind zwölf
Bronzetafeln eingefügt mit Darstellungen des Alten
Testamentes, von B. Bellano (1488) und A. Briosco (1507).
Dominierend ist das wunderschöne
Kruzifix des Donatello (1444-1450). Es stellt
ein fundamentales Werk der italienischen Kunst, aber
auch der Renaissance im allgemeinen dar. Maria reicht
vom Thron aus das Jesuskind zur Anbetung dar, in mütterlicher
und königlicher Haltung. Zu ihren Seiten sechs
Statuen der Heiligen Franziskus, Justina und Ludwig
von Frankreich (vom Betrachter aus links) und der Heiligen
Antonius, Daniel und Prosdocimus, des ersten Bischofs
von Padua (rechts). Bronzetafeln zeigen Wunder des hl.
Antonius, die Symbole der Evangelisten, sowie singende
und musizierende Engel. In der Mitte der tote Christus
zwischen zwei klagenden Engeln.
Die Grablegung. - Diese befindet sich auf der
Rückseite des Hochaltars und ist aus Nanto-Stein,
der auf den Colli Berici (bei Vicenza) abgebaut wird.
Vier Apostel legen den Leichnam Christi ins Grab; im
Hintergrund beweinen die Frauen die Szene. In der Mitte
befindet sich Maria Magdalena, der der große Schmerz
merklich ins Gesicht geschrieben steht: der Schmerz
der Einsamkeit und der Erinnerung an die Sünde.
Denn die Sünde ist der tiefste Sinn des Todes.
Noch immer hinter dem Altar bewundern
wir das Eselswunder. Der Künstler - Donatello -
verstand es in einmaliger Weise, kleine Plätze
mit unerwarteter Größe und Tiefe zu füllen
und Linien, Dekorationen und Materialien verschiedenster
Farben zu verwenden. Der Blick wird nun sozusagen geleitet
und führt uns zum Altar, wo die Anwesenheit Gottes
zu spüren ist: es ist einerseits die Heiligkeit
und der Glaube des heiligen Antonius, andererseits die
leise Stimme der Natur, die uns dieses Gespür vermitteln.
Und die Menschen, die sich vor dem Altar zusammenfinden,
geben Zeugnis davon ab.
Wie alle großen Künstler
und Genies geht auch Donatello über die Kultur
und Mode seiner Zeit hinaus und wirkt immer noch modern.
Das äußerst tiefe Relief verformt die Gestalten,
die uns kleiner und dicker erscheinen und einen malerisch
anziehenden Effekt auslösen. Diese Technik hat
ihren Florentinischen Ausdruck erhalten und nennt sich
immer noch "schiacciato" (zerdrückt).
An der rechten Seite stellt Donatello
den heiligen Antonius dar, der ein Neugeborenes zum
Sprechen bringt (um die vom Ehemann angezweifelte Unschuld
der Mutter zu bezeugen). Rechts unten hingegen erkennen
wir den Stier (beflügelt und wie mit einem Heiligenschein
umgeben - Zeichen der Heiligkeit - in diesem Fall des
Evangelisten Lukas) und links unten den Löwen (Symbol
des heiligen Markus).
Vom Hauptschiff der Kirche blickt man
auf den Hochaltar. Den Chor grenzt eine elegante
Balustrade ab, die mit vier Bronzestatuen von Tiziano
Aspetti (1594) gekrönt ist. Den feierlichen Raum
beherrschen die Meisterwerke Donatellos. Die Skulpturengruppe
ist das berühmteste Kunstwerk der Basilika. Die
jetzige Anordnung der 30 Skulpturen ist das Werk von
Camillo Boito (1895), der auch den Hochaltar gebaut
hat.
Die 14 Engel und die Beweinung Jesu. Den 10 musizierenden
und den vier singenden Engeln gilt unsere Sympathie,
vor allem weil sie auf kindliche Art ihre Rolle spielen.
Die Beweinung des toten Jesus in der Mitte schreibt
eine traurige Seite der Geschichte.
Auf der kleinen Tür des Tabernakels
erkennen wir den toten Christus auf dem Grabstein erhoben
(1496, Künstler unbekannt). Zu unserer Linken:
Antonius heilt das Bein eines Jünglings wieder
an (das er sich aus Verzweiflung abgehauen hatte); zur
Rechten: das Herz des Wucherers (das der Arzt nicht
an der rechten Stelle vorfindet, sondern in seiner Geldtruhe).
Die
heilige Justina und der heilige Daniel. -
Oberhalb des Altares zu unserer Linken: die heilige
Justina (junge Märtyrerin aus Padua,
die bereits seit dem V. Jahrhundert verehrt wird
und der die grandiose Basilika in Prato della
Valle geweiht ist), rechts der heilige Daniel
(junger Diakon Paduas, Märtyrer des IV. Jahrhunderts,
dessen Gebeine im Dom ruhen). |
Auf den beiden Seitenflügeln
des Altares erkennen wir links unten einen Engel
(Symbol für den heiligen Matthäus),
darüber den heiligen Ludwig von Frankreich,
rechts unten den Adler (Symbol für
den Evangelisten Johannes) und darüber den
heiligen Prosdocimus. |
Der
heilige Ludwig von Frankreich und der heilige
Prosdocimus: Ludwig von Frankreich (127-497)
war Sohn Karls II. von Angió, König
von Neapel: er verzichtete auf die Erbschaft und
bevor er Bischof von Toulouse wurde, wollte er
den Franziskanern beitreten. Seine Entscheidungen
riefen allgemeine Bestürzung hervor. Er starb
mit 23 Jahren. |
Der
heilige Prosdocimus (zweite Hälfte
des III. Jahrhunderts) war Grundsteinleger der
Stadt Padua und ihr erster Bischof. Sein hohes
Alter ist bei der letzten Rekognoszierung seiner
Gebeine, die in der Basilika der heiligen Justina
ruhen, bestätigt worden.
|
 Die
Heiligen Franziskus und Antonius. An den beiden
Seiten der Mutter Gottes stehen die Heiligen Franziskus
und Antonius, die großen Protagonisten des
13. Jahrhunderts.
|
Maria
und das Jesuskind: Das zentrale Thema der
Darstellungsgruppe des Donatello ist die junge
und lebensfrohe Mutter Gottes.
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Das
Kruzifix. - Hinter der Jungfrau dominiert
das Kruzifix den Raum. Wie die Größe
ahnen lässt, wurde es nicht für den
Altar, sondern für den Kirchenraum realisiert.
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Die Sakristei
Bevor wir in die Sakristei treten, kommen wir
in einen Vorraum, der wertvolle Fresken enthält.
Sie gehen auf einen Schüler Girolamo Tessaris
zurück. Sie stellen zwei Wunder des heiligen
Antonius dar: die Fischpredigt und das auf den
Boden gefallene und heil gebliebene Glas (beide
aus dem Jahr 1528).In der Lünette oberhalb
der zugemauerten Tür fällt unsere Aufmerksamkeit
auf ein Fresko aus dem 13. Jahrhundert: Die Jungfrau
Maria mit Kind zwischen den Heiligen Franziskus und
Antonius.
In der Sakristei
möge man zuerst die Decke bewundern, die Pietro
Liberi mit Fresken versehen hat, die die Glorie
des heiligen Antonius singen. (1665)
Zu unserer Rechten füllt ein Wandschrank den Raum
aus, den Bartolomeo Bellano (1469-1472) angefertigt
hat.
Die zehn Intarsien stammen von Lorenzo
Canozzi (1474-1477); sie stellen von links beginnend
die Heiligen Bernhardin und Hieronymus, Franziskus und
Antonius, Ludwig von Frankreich und Bonaventura dar;
darunter einige Stillleben mit Büchern und Liturgischen
Gegenständen. An den anderen Seitenwänden
Fresken von Francesco Suman (1847).
Durch einen schmalen Gang gelangen
wir noch in den Kapitelsaal (Kapitel" nennen
sich die Versammlungen der Brüder). Die ursprünglichen
Fresken stammten von Giotto, doch ist von diesen
nicht viel übrig geblieben.
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